Von Grenzen und Regeln

Der Alltag mit Kindern ist schon stressig genug. Wenn jedoch keine festen Regeln den Alltag begleiten wird es noch Komplizierter. Klare Ansagen und nachvollziehbare Grenzen machen es für alle leichter und geben Sicherheit. 

Wenn wir etwas möchten, sagen wir bitte; wenn wir es bekommen, bedanken wir uns und wenn aus versehen etwas passiert das nicht gut ist, entschuldigen wir uns. Ohne Regeln geht es nicht. Sie erleichtern das Miteinander, geben Orientierung, setzen Grenzen. 

 

Mehr noch: Regeln schaffen Verlässlichkeit und Vertrauen, reduzieren Unsicherheiten und so manchen Streit. Auch und gerade Kinder brauchen Regeln.

 

Es ist jedoch auch wichtig das die regeln und Grenzen für unsere Kinder nachvollziehbar sind. Zum Regelnlernen ist es nie zu früh. Sogar Säuglinge können das schon: Früher oder später entwickeln sie zum Beispiel ein Gespür für den Unterschied zwischen Aktivität am Tag und Ruhe in der Nacht. 

 

Doch welche Regeln sind vernünftig?

 

Regeln für mehr Orientierung

Als erstes sollten wir uns vor Augen führen welchen Sinn Regeln erfüllen. Sie sollen keine Käfige sein, sondern Wegweiser durch den Alltag. Nach diesem Grundsatz entscheidet jede Familie am besten selbst, welche Regeln ihr wichtig sind. Manche beten zum Beispiel vor dem Essen, andere finden das nicht so wichtig.

 

Anhaltspunkte für sinnvolle Regeln bieten häufige Streitigkeiten: Gibt es zum Beispiel immer wieder Ärger um die Frage, wie lange dein Kind fernsehen darf? Dann handel im Familienrat eine maximale Fernseh dauer aus.

 

Wichtig ist aber, dass du dein Kind einbeziehen. Es sollte nicht das Gefühl bekommen, es würde diktatorisch über seinen Kopf hinweg strenge Ge- und Verbote erlassen. Es geht vielmehr darum, den ewigen Streitanlass zu eliminieren, und dazu stellt ihr gemeinsam eine Regel auf, die für alle(!) Beteiligten gilt.

 

Wenn ihr also vereinbart habt, dass dein Kind 30 Minuten am Tag fernsehen darf, dann muss es die halbe Stunde auch wirklich zur Verfügung haben, wenn es das möchte. Um dem Ganzen Gewicht zu verleihen, können Sie einen kleinen Vertrag aufsetzen, den du und dein Kind unterschreiben.

 

 Wichtig: Die Regel muss zum Alter Ihres Kindes passen. Es muss ihren Sinn verstehen und sie befolgen können. Mit der Vereinbarung „Wir essen mit Messer und Gabel" wäre ein Dreijähriger sicher überfordert; die Regel „Wir schlagen nicht mit der flachen Hand ins Essen" hingegen kann er schon sehr gut befolgen. Damit Ihr Kind die Regel einsieht, erklären Sie ihm ihren Sinn: „Abends räumen wir auf, damit wir nicht über herumliegendes Spielzeug stolpern und uns verletzen."

Klare Ansagen

Nun muss das Vereinbarte aber auch umgesetzt werden und in Fleisch und Blut übergehen. Deshalb sind Regeln (zunächst) unumstößlich. Klartext und Konsequenz sind gefragt: Wenn du möchtest, dass dein Kind den Fernseher ausschaltet, frage nicht: „Findest du nicht, dass du schon genug geschaut hast?" Denn dein Kind findet natürlich nicht, dass es genug geschaut hat.

 

Sage klar und mit fester, ruhiger Stimme, was du willst: „Ich möchte, dass du dich an unsere Vereinbarung hältst und jetzt ausschaltest!" Schaue deinem Kind dabei in die Augen und bleib bei Ihm, bis es Ihrer Anordnung nachgekommen ist. Lasse dich nicht durch ein „Ja, gleich" abspeisen.

 

 

Missachtet ein Kind die Regel, sollte dies nicht folgenlos bleiben. Hier brauchst du ein wenig Fingerspitzengefühl: Auf keinen Fall solltest du willkürlich strafen, denn es geht nicht darum, das Kind mit Taschengeldentzug oder Hausarrest „zurückzuärgern". Dein Kind muss die Konsequenz seines Handelns erfahren, die ihm hilft, den Sinn der Regel zu verstehen.

 

Hat dein Kind beispielsweise trotz Ermahnung in sein Essen geschlagen, muss es auf die Gute-Nacht-Geschichte verzichten, denn Papi kann nicht vorlesen, weil er die Küche putzen muss. Das ist logisch, das kann ein Dreijähriger verstehen.

 

Auch wenn es schwer fällt, solltest du konsequent bleiben und die Geschichte nicht vorlesen. Nur so kann sich dein Kind klar darüber werden, dass es sich unangenehme Folgen eingehandelt hat - und Einsicht ist tatsächlich der beste Weg zur Besserung. Versuche also stets, statt einer Strafe eine logische Folge des Regelverstoßes zu finden.




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