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Die letzten Male - Abschiede auf Raten

Es ist Donnerstag Morgen und viel zu früh, irgendwo in Deutschland in Mitten eines leeren und ruhigen Hauses. Vor ein paar Minuten herrschte hier noch das reinste Chaos. Eben ein Typischer Morgen mit all inclusive.

 

Angefangen hat es, dass die Uhr gemeint hat eine halbe Stunde später dran zu sein als es mir lieb gewesen wäre, ich brauche dringend einen wirkungsvollen Wecker. Also erst mal entnervt aufstehen und ab nach unten in die Küche gewackelt, denn ohne Kaffee geht nichts. Stress mache ich mir wenn es mal etwas später wird schon lange nicht mehr. Ich habe mich daran gewöhnt das ich eben seid die Kleinen da sind keinen Wecker mehr höre. Nicht mal so einen alten schellen Wecker wie man ihn von Oma kennt. 

 

Nun ja so sei es, schnell den Kaffee raus gelassen und einmal tief durchgeatmet. Sobald der Kaffee leer war weckte ich die kleinen und erinnerte meinen Mann daran das aufstehen nicht zu vergessen. Die Kurzen waren wach und schauten mich total knuffig zerknautsch und verschlafen an. Das wärmt mir jeden Tag aufs neue das Herz die zwei kleinen so goldig zu sehen. Jetzt aber schnell aber mit aller ruhe die Kleine anziehen und geh fertig machen, inzwischen war mein Mann auch gerichtet und nahm mir die Große ab und machte sie gehfertig für den Kindi. 

 

Schon führet mich mein Weg wieder in die Küche, schnell noch einen Kaffee raus lassen und das Kindi-Frühstück für die Große richten. Einmal Dinosaurierbrot mit Käse, ein paar scheiben Gurke, käse Würfel und ein kleingeschnittenes Würstchen. Was auch nicht in der Dose fehlen darf ist natürlich das Müsli. Sonst wird das Essen verweigert und die Brot Dose kommt unangerührt wieder zurück an den Absender. 

 

Jetzt nur noch kurz die Wickeltasche der kleinen Packen, damit bei der Tagesmutter auch nichts fehlt. 

Nun ist es auch schon so weit, und alles ist erledigt. Tada trotz halber stunde später aufstehen, kommen alle so ziemlich rechtzeitig aus dem Haus. 

 

Nach der Verabschiedung halte ich einen Moment inne, schaue mich um und bemerke wie ruhig es auf einmal ist. Ich gehe wieder in die Küche und hole meinen Kaffee, gehe rauf und schalte den Fernseher an und genieße es für eine halbe Stunde etwas anzusehen das kein Zeichen Trick, kein Kinderfilm und nichts mit Reimen ist. 

 

Doch in diesem Moment wird mir auch etwas klar. Es überkommt mich ein wehmütiges Gefühl. Ein Gefühl wie ich es nicht beschreiben kann. Erst vor einer weile, das waren beide um die Uhrzeit noch friedlich schlummernd in ihren Betten und einen Augen schlag später brachte ich sie zur Tagesmutter und in den Kindergarten. Die Eingewöhnungsphasen gingen so rasant vorbei das ich heute das Gefühl habe nicht richtig dabei gewesen zu sein. Jeden tag brachte ich die Große morgens in Kindi und alle zwei Tage die kleine zur Tagesmutter. Kaum mache ich wieder die Augen auf findet mein Abschied von den kleinen zuhause statt da mein Mann das wegbringen übernommen hat. Wofür ich auch wirklich dankbar bin.

 

Mir fällt auf, wie sehr mir die Trickfilme am Morgen, das Gezanke beim Frühstück und die Verwüstung nach dem Frühstück fehlen. Wie es mir fehlt der Großen morgens im Kindi die Hausschuhe anzuziehen und ihr zurück zu winken wenn sie noch am Fenster steht um mir zu winkt. Es fehl mir auch morgens extra eine halbe Stunde in der Gegend um herum zu fahren für eine strecke um die kleine zur Tagesmutter zu bringen um mich dann dort zu verabschieden. Und es fehlt mir das ich nicht realisiert habe wann all das zum letzten mal passiert ist. 

 

Es macht mir wirklich Angst nicht zu wissen, wann ich etwas das letzte mal für meine Kinder machen werden. Das letzte mal Schuhe anziehen, das letzte mal Kindi Frühstück machen, das letzte mal die kleine wickeln und das letzte mal sie morgens an zu ziehen. 

 

Immer wieder werden wir als Elter mit solchen Abschieden konfrontiert. Das älter werden der Kleinen ist Abschiednehmen auf Raten.  Erst sind es die ersten Strampler von denen wir uns verabschieden müssen. Dann, nach und nach folgen Kleinigkeiten, sie wollen ihre Schuhe alleine anziehen, wollen ihre Brote selber schmieren, gehen bald in die Schule und irgend wann sehen wir uns um und sie sind aus dem Haus. 

 

Ich glaube diese Wehmut angesichts dieser Gedanken kennen alle Eltern. Umso mehr ich darüber nachdenke, umso mehr genieße ich die Zeit die ich mit meinen kleinen habe. Umso mehr machen mir kleine nervige Dinge die ich für siemachen soll nichts mehr aus. Denn diese kleinen nervigen Dinge sind das was es für mich ausmacht Mama zu sein. 

 

 

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