Schatten der Vergangenheit

Ich kann mich noch daran erinnern als wäre es gestern gewesen als ich meinen Mann kennen lernte. Wie er da vor der Kneipe saß und ich einfach zu Ihm hingehen musste. Ich hatte Urlaub und war zu meiner Mutter gefahren, zu den Menschen mir denen ich aufwuchs um das Gefühl von Heimat wieder zu fühlen.

 

Nun 3 Jahre später blicke ich zurück, nicht zu dem Punkt unseres ersten Treffens, nein viel weiter, an den Tag an dem man mich aus meinem Zuhause riss und in eine Fremde Stadt steckte, zu einem Menschen, nein nicht einem Menschen, zu dem Menschen der mich gezeugt hat und uns danach im Stich lies. Er versprach mir eine gute Zukunft, einen guten Ausbildungsplatz ein schöneres Leben mir finanziellen Möglichkeiten die ich bisher nicht kannte. 

 

Doch es kam alles anders...

 

Die ersten Wochen lief es mies, ich fühlte mich alleine und im Stich gelassen. Vor den Kopf gestoßen. Ich wusste nicht was um mich herum war, ich kannte mich nicht aus, ich kannte diesen Ort nicht, keine menschen seele. Ich kam aus einer Kleinstadt und wurde in eine Großstadt hineingeworfen ohne Vorwarnung. Ich hatte Heimweh ich wollte hier weg. Doch es war nicht möglich. Ich musste eine gute Ausbildung machen, ich wollte meine Mama stolz machen. 

 

Die versprechen zogen von dannen, diese tolle Ausbildung war mir vergönnt, mein Geld musste ich selbst irgend wie verdienen, nur die miete wurde mir erlassen. Es gab fast täglich Ärger mir wurde nach einem Jahr das kochen verboten. Ich ernährte mich von Brot und Fastfood - wenn ich Geld dazu hatte. 

 

Ich fand nach einer weile eine Ausbildung. Der betrieb war wirklich toll. Ich empfand Freude ich war wieder glücklich. Ich hatte Arbeit. Mit dem Geld kamen dann die Partys mit allem was dazu gehört . Davor war ich nie weg, ich wusste nicht was es heißt feiern zu gehen, ich gab mein Geld Wochenende für Wochenende aus, blieb manchmal tage lang weg. Hatte tagelange Räusche, ich wollte frei sein, ich wollte vergessen doch vor allem wollte ich glücklich sein. Und das war ich.

 

Ich fand zu mir selbst, ich habe gefunden was ich immer gesucht habe, Freundschaft, Anerkennung und vor allem Lebensfreude. Ich entdeckte meine liebe zur Musik neu, ich wechselte von Metal zu Techno, ich wollte tanzen immer und überall. Der Bass bestimmte mein Herzschlag, das Blitzlicht öffnete mir die Augen und lies mich neue Welten entdecken. 

 

Nur wenn ich tanzte war ich frei von Schmerz, Selbsthass, Trauer und Sorgen. Ich dachte nicht an morgen ich lebte den Moment. 

 

Ich folgte diesem Weg dem Weg der mich glücklich machte.

 

 

Doch dieser Weg war auch steinig und voller Gefahren. Dieser Tatsache musste ich eines Tages ins Auge blicken, als ich ein mal mein Glas aus dem Blick lies. Ich kann mich an nichts erinnern ich weiß nicht mehr was geschah, ich war weg, einfach nicht mehr da, erst im Krankenhaus wurde ich wieder wach. Es war komisch, ich fühlte mich nicht lebendig, ich dachte ich wäre tot. Doch da kam sie, die Ärztin die mich versorgte. Sie fragte mich ob ich weiß wie ich heiß, ob ich weiß wo ich bin, und wie ich her gekommen war. Ich konnte ihr nur meinen Namen nennen auf den Rest hatte ich keine Antworten.

 

Sie meinte ich wäre gefunden worden, in der nähe einer Disco etwas versteckter in einem Eck hätten mich Passanten gesehen und einen Krankenwagen gerufen. Ich wäre fast gestorben, ich war unterkühlt, verkrampft und hatte kaum noch Puls. Diagnose Überdosis. Ich war komatös und wurde intubiert. Nach 9 Stunden entschlossen sie sich mich wach werden zu lassen. Ich hatte kaum Gefühl in irgend einem Körperteil ich war, wie von Sinnen. Sie erklärte mir so viel und all zu wenig bekam ich richtig mit. Sie fragte ob mich jemand holen könnte, ich sagte ich könnte mein Vater fragen, sie rief an und  gab mir das Telefon, er ging ran und machte mich runter, warum ich nicht heim kam und nicht ans Handy ging. 

 

Ich versuchte mit brüchiger Stimme zu erklären was ich wusste. Doch er motzte weiter, da erst richtig, ich sei doch selber schuld und hätte die Drogen bestimmt selber genommen. Ich konnte sagen was ich wollte er glaubte mir nicht und meinte er könne mich nicht holen. Plötzlich nahm mir die Ärztin das Telefon weg und sprach selber mit ihm. Ob er sich dessen bewusst sei das ich fast gestorben wäre und nicht in der Lage wäre alleine Heim zu gehen und sie mich so auch nicht alleine gehen lassen dürfte.

 

Er willigte ein und holte mich. Im Rollstuhl schob mich ein Pfleger bis zum Eingang, ab da musste ich laufen, ich versuchte auf zu stehen und fiel hin. Mein "Vater" stützte mich doch ich merkte es war ihm nicht recht. Er wollte nicht da sein, er wollte weg, er schämte sich meiner.

 

Ich war mir dessen zu der zeit nicht bewusst, ich machte Scherze das ich mit dem Tot gepokert und gewonnen hätte. Doch heute weiß ich, ich hatte Glück, verdammtes Glück. Wenn ich wüsste wer mich gefunden hat würde ich mich nur all zu gerne bedanken, von Herzen bedanken.

  

Es war eine Zeit voller Hochs und Tiefs eine Zeit die ich nie vergessen werde doch vor allem eine Zeit die mich zu der gemacht hat die ich heute bin. 

 

Ich bin froh, dass ich heute an einem Punkt stehe an dem ich sagen kann - Ja ich habe gelebt, und für mich ist die Zeit gekommen mich zur ruhe zu setzten und vollkommen auf meine Familie konzentrieren kann. 

 

Heute ist mir bewusst, wie kostbar das Leben ist, und wie wenig zeit wir doch eigentlich haben die wir mit den Menschen verbringen können die unsere Leben erfüllen. neben der Arbeit, dem Haushalt und was sonst noch alltägliches anfällt vergessen wir viel zu oft, wie unwichtig das für uns wichtige ist und wie wichtig die neben läufigen Sachen sind. 

 

Wir sollten weniger Kraft in den Haushalt stecken und dafür mehr in die die wir Lieben. Weniger Zeit für Einkäufe opfern und mehr mit unseren Kindern Spielen oder der gleichen. Wir wissen nie wann es zu spät ist. Ob nun durch Unfälle, Krankheit oder was auch immer. Das Leben schenkt uns keine Zeit, es nimmt sie sich. 

 


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