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Anti-Kuschel-Kind

Nähe und Hautkontakt sind ja sooo wichtig für Kinder, hören wir immer wieder. Aber was, wenn das Kind nicht kuscheln will? über Selbstzweifel und Angst vor feuchten Küsschen.

Wenn ich mich heute, zwei Jahre nach der Geburt des ersten Kindes, immer noch über die mangelnde Bereitschaft aufregen würde, sich von Mama und Papa mal drücken zu lassen, gäbe es viel zu oft Anlässe, mir sehnsüchtig andere Zeiten herbeizusehnen. 

 

Was nicht heißen soll, dass es total schmerzlos war, die Tatsachen zu akzeptieren. Und ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass das Verhalten meiner großen auch heute noch spurlos an mir vorbeiginge. 

 

Auch ich bin nur ein Mensch. Und zwar einer, der gerne kuschelt. Mein Kind leider nicht.

Kinder lieben kuscheln- Sagt zumindest jeder

Früher hatte ich mir das ganz anders vorgestellt.

Babys und Kleinkinder schmusen und kuscheln in den ersten Lebensjahren täglich und stundenlang mit ihren Eltern – so wurde es mir durch Fernsehen, Werbung, Ratgeber und andere Mütter immer eingebläut.

Nirgendwo las oder hörte ich von "unkuscheligen" Mutter-Kind-Beziehungen. Vielleicht gingen die paar wenigen Berichte aber auch nur unbemerkt an mir vorbei.

Dan kamen meine Kinder auf die Welt.

Unter Kuschelabend auf der Couch stelle ich mit was anderes vor als meine Kinder.

Bei uns wird, getreten, geboxt, aufgestanden-hingesetzt-und wieder aufgestanden, geschrieen, gebockt, getobt... Also alles außer Kuscheln.

Sicher, jedes Kind ist anders und nicht alle haben ein ausgeprägtes Kuschelbedürfnis. Aber manchmal wünschte ich, meine Kinder würden auch zu der Schmusefraktion gehören.

Immer wieder die Selbstzweifel: Was mache ich falsch?

Alexandra wollte schon als Säugling nicht ins Tragetuch und hörte beim Zahnen oder Fieber erst mit dem Weinen auf, wenn ich sie in ihr Bett legte, wo sie sich alleine beruhigen konnte.

Wenn man sie vor dem Schlafengehen fragt, ob man sie mal in den Arm nehmen dürfe, kommt meist ein entschiedenes "Nein!".

Ihre kleine Schwester Mia, findet hin und wieder gefallen an einer Kuschelrunde, doch meist will sie ihn ihre Krabbel-decke und sich herumdrehen und ihre Motorik entdecken. 

Am schlimmsten waren für mich lange Zeit die Fragen in meinem Kopf, die sich schnell zu Selbstzweifeln entwickelten.

Mache ich irgendwas falsch?

Aber sie mag ja auch nicht ausgedehnt mit ihrem Vater kuscheln, zu dem sie die intensivere Beziehung hat.

Was mache ich falsch?

Bin ich selbst zu distanziert zu den Kindern?

Oder dränge ich mich ihnen schon auf?

Was mache ich falsch?

Ein paar Sekunden auf dem Schoß - Highlight.

Ich bin ehrlich, ein wenig neidisch bin ich schon ab und zu, wenn ich sehe, wie andere Kinder mit ihren Eltern Kuscheln. 

Das tut manchmal schon weh.

Aber was nützt es, sich darüber aufzuregen?

Mit aufgezwungener Liebe macht man es jedenfalls garantiert nur schlimmer. 

 

Heute kam meine große einfach zu mir her und wollte auf den Schoß, zwar nur ein paar Sekunden, aber immer hin, damit war ich schon zufrieden.  Ich freue mich dann, dass ein natürlicher Wunsch nach Nähe irgendwo auch in meinen Kindern schlummert. Und wenn es sie dann plötzlich übermannt, bin ich die Letzte, die sich dem entzieht.

 

Wie kuschelig sind eure Kinder denn so? Ist es bei euch vielleicht genau andersherum, dass das Gekuschel eurer Kinder euch manchmal schon zu viel ist? Oder sollte es tatsächlich irgendeine Mutti da draußen geben, die ein ähnlich unschmusiges Exemplar zuhause hat? 

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