Von der Traumatisierung zur Heilung

Ab dem Moment der Traumatisierung bis  zur vollständigen Heilung benötigt jeder Mensch seinen ganz individuellen Zeitraum. Dabei werden bestimmte Stufen durchlaufen, die sich bei allen Menschen ähneln.

  • Ausblenden: Dauer: ein paar Tage bis wenige Wochen. Die Wahrnehmung steckt noch in der traumatischen Situation fest. Gefühl: empfindungslos und starr vor Schreck. Körperliche Symptome: starke Unruhe, rascher Pulsschlag, Schwitzen, Schlaflosigkeit und Übelkeit können auftreten.
  • Hervorbrechende Gefühle: Dauer: einige Tage bis einige Wochen. Gefühle: Wut, Zorn, Angst, Ruhelosigkeit, Erleichterung, innere Leere, endlose Gedankenkarusselle, Schuld- und Schamgefühle.
  • Stabilität: Dauer: bis zu ein Jahr. Zunehmende Bändigung starker Gefühle, lösen der körperlichen Anspannung, Annahme der körperlichen Veränderungen, Überwinden von Schuld und Scham, Vervollständigen der Erinnerungen, auch tiefe Wunden können heilen, Trauern um alle erlittenen Verluste
  • Annahme und Integration in die eigene Lebensgeschichte: Zeitraum: häufig im ersten bis zweiten Jahr nach dem Ereignis. Heilsame Aussöhnung, vollständige Annahme der körperlichen Veränderungen, Stärkung einer liebevollen Beziehung zum Kind, fast vollständige Bewältigung des Traumas.
  • neue Verbundenheit mit sich und der Welt: beendet die monate- oder jahrelange Auseinandersetzung mit dem Ereignis. Selbstbild beginnt sich in positiver Weise zu verändern. Aufblühen und Veränderung.

wie kannst du ein Geburtstrauma verarbeiten?

Um ein Geburtstrauma zu verarbeiten, sind Frauen und ihre Partner besonders auf die Solidarität, Hilfe und den Beistand von anderen Menschen angewiesen. Einfühlsame Gespräche ohne zu bagatellisieren oder zu bewerten, sowie auch praktische Unterstützung von alltäglichen Aufgaben im Haushalt sind wichtig.

 

Nehme an, dass es dir schlecht geht und erlaube dir, traurig über das Erlebte zu sein.  und du Unterstützung (emotional und praktisch) durch ein schützendes Umfeld brauchst. Z.b. durch Familie, Freunde oder andere betroffene Mütter.

Suche dir Menschen, die dir zuhören und deinen Schmerz verstehen.

 

Vernetze dich mit anderen betroffenen Müttern

Entscheide selbst, mit wem du über dein Erlebnis sprechen magst. Möchtest du mit best. Personen nicht darüber sprechen, kannst du sie z.B. auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten.

 

Durch eine Nachbesprechung der Geburt mit Personen, die dabei anwesend waren (Hebamme, Arzt) gelingt es, die zunächst nur bruchstückhaft vorhandenen Erinnerungen zu einem sinnvollen Ganzen zu konstruieren. Dies erfordert genügend Zeit und einen geeigneten, ungestörten Ort. Es ist auch möglich, den Geburtsbericht anzufordern und zu besprechen. Das kann helfen, die oftmals nicht vollständig verstandenen Vorgehensweisen oder den Ablauf der Geburt zu klären und besser einzuordnen.

 

Hole ein evtl. verlorenes erstes Kennenlernen mit deinem Kind nach (im Falle einer ungewollten Trennung von deinem Kind nach der Geburt oder wenn du überfordert warst, nach der Geburt auf dein Kind einzugehen):

Rede mit deinem Kind über die erste Zeit nach der Geburt. Wage es, deinen Schmerz und deine Traurigkeit vor deinem Baby Ausdruck zu verleihen. Vielleicht erscheint es dir etwas seltsam, mit deinem Baby so intensiv und klar zu sprechen. Denke jedoch daran: Babys und Neugeborene verstehen von unseren Worten viel mehr als wir ahnen. Sie verstehen nicht rational, sondern emotional. Sie verstehen mit ihrem Herz und spüren die Eindringlichkeit und das Angebot der Beziehungsaufnahme. Du kannst in etwa Sätze wie die folgenden sagen: „Es tut mir leid, dass es nicht anders gegangen ist, aber wir machen jetzt etwas Gutes daraus, auch wenn es für uns beide schwer war. Jetzt bin ich für dich da und sorge für dich. Ich bin deine Mutter, ich gebe dir. Du darfst dir von mir nehmen, was immer du brauchst“.

 

  • Lasse bewusst die Gefühle oder Tränen zu (auch beim Kind!). Lasse auch bewusst deine Schuldgefühle los.
  • Führe ein Babyheilbad durch
  • organisiere ein Willkommensfest für dein Baby
  • Bei großer Belastung oder langanhaltenden Symptomen sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Die Traumatherapie hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Es gibt spezialisierte Traumatherapeuten, die über die Ärzte- und Therapeutenvereinigung (Internet) abgefragt werden können.

 

Können auch Väter ein Geburtstrauma haben?

Eine dramatische Geburt kann auch den Vater überfordern und zu Ohnmacht und Hilflosigkeit führen. Dabei hat er es in mehrfacher Hinsicht schwer: Häufig wird er nicht ernst genommen, da er selbst körperlich nicht beteiligt war. Vielleicht fühlt er sich schuldig, da er seine Partnerin nicht schützen konnte und er muss nun Bilder verarbeiten, die ihn belasten. Eventuell ist er auch wütend, weil er bei der Geburt nicht dabei sein wollte und sich hat drängen lassen. Möglicherweise steht der Mann selbst noch unter Schock, weil er dabei war, als seine Partnerin oder das Leben des Kindes in Gefahr war.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0